Sozialarbeit macht Schule

Trainingsraum für Störenfriede

Sven Schriever vermittelt Umgangsformen an der Schule

BARNSTORF(bau)Ein wesentlicher Bestandteil der Sozialarbeit an der Christian-Hülsmeyer- Schule stellt die Trainingsraum-Methode dar. Dafür ist Sven Schriever verantwortlich, der seit dreieinhalb Jahren an der Schule in Barnstorf arbeitet. Ihn lernen die Jugendlichen vor allem dann kennen, wenn sie etwas ausgefressen haben.

Zunächst machen alle Fünftklässler, die jeden Sommer neu an die Haupt- und Realschule kommen, die Bekanntschaft mit Sven Schriever. Der ausgebildete psychotherapeutische Heilpraktiker, Erzieher und Yogalehrer stellt den Kindern und ihren Eltern zu Beginn des Schuljahres das Handlungskonzept des „Trainingsraums“ vor.

„Es beinhaltet feste Regeln zum Umgang miteinander und zum Verhalten während des Unterrichts. Werden diese Regeln auch nach respektvoller Ermahnung durch den Lehrer nicht eingehalten, greift die Konsequenz, dass der Schüler aus dem Klassenverband für eine festgesetzte Frist ausgeschlossen wird. Somit werden die anderen, lernwilligen Schüler vor weiteren Störungen geschützt“, erklärt Schriever die Hintergründe. Der Schüler sei nun angehalten, das „Programm zur Stärkung selbstverantwortlichen Denkens und Handelns“ – kurz „Trainingsraum“ genannt – zu durchlaufen. Er soll in der Reflektion selbst herausfinden, welches Verhalten dazu geführt hat, dass er vom Unterricht ausgeschlossen wurde.

schrieferUm eine Wiederholung des Fehlverhaltens zu vermeiden, erarbeitet das Kind mit Hilfe der Fachkraft einen Plan zur Veränderung seines Benehmens. Dieser Plan wird auch dem unterrichtenden Lehrer vorgestellt. Schafft es der Schüler, sein Verhalten zu ändern, so dass er bei den anderen Jungen und Mädchen nicht mehr als „Störenfried“ gilt, erwartet ihn seitens der Lehrerschaft Anerkennung. „Der Schüler soll lernen, bewusst zu entscheiden, wo er sich aufhält“, sagt Schriever.

Es gibt jedoch auch „Wiederholungstäter“. Bei ihnen bleibt die Grundmethodik im Trainingsraum vorerst bestehen. Es kommt jedoch die Beziehungsarbeit hinzu. Schrievers Aufgabe ist es herauszufinden, was dem Jugendlichen wichtig ist. Die Wahrnehmung „Der beachtet mich, für den bin ich wichtig“ ist eine mögliche Grundlage für eine dauerhafte Änderung falschen Verhaltens. „Bedeutet einem jemand etwas, dann möchte man denjenigen nicht unbedingt enttäuschen. Genau dort versuche ich anzusetzen“, sagt der Erzieher.

In seinem Job sind Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung gefragt. Und es ist wichtig, den jungen Menschen, die mehrmals zu ihm kommen, zu zeigen, dass sie beachtenswert sind. Schriever: „Die meisten Schüler wollen gern im Klassenverband sein und geben sich schon deshalb Mühe, nicht im Trainingsraum den Unterricht zu verbringen.“ Der gelehrte Stoff muss übrigens von den Jungen und Mädchen selbstständig nachgearbeitet werden.

Gelingt es einem Schüler auch nach zahlreichen Versuchen nicht, sich so zu verhalten, dass er dem Unterricht folgen kann, wird das Elternhaus informiert und ein Schüler-Lehrer-Eltern-Gespräch unter der Moderation von Sven Schriever einberufen. Er will diesen Termin jedoch nicht als „Scharfrichtertermin“ verstanden wissen. Vielmehr solle die Zusammenarbeit aller Beteiligten Transparenz schaffen und Hilfestellung geben. Auch der Gefahr sich verhärtender Fronten könne so vermittelnd vorgebeugt werden. Letzten Endes sollten die Kinder und Jugendlichen durch das aus den USA stammende Programm lernen, dass sie durch ihr Verhalten die Folgen konsequent selbst wählen.

Büro und Trainingsraum ist das Zimmer A 128. Sven Schriever ist in der Zeit von 8.20 bis 12.10 Uhr erreichbar. Auch Gesprächstermine mit Eltern werden vereinbart. Der Kontakt läuft über das Schulsekretariat (Tel. 05442/2382).

Foto: Strümpler
© 2010 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft
Diepholz Ausgabe 49 27.02.2010 Seite 24