Diepholzer Kreiszeitung 14.12.2005
Blicke auf den Stundenplan der Christian-Hülsmeyer-Schule Barnstorf Teil 1:

Schule heute - mehr als Unterricht

BARNSTORF (rr)
"Kindgemäße Entwicklung, kindgemäßes Erkennen und Lernen brauchen mehr Zeit, als an Halbtagsschulen üblicherweise zur Verfügung steht, denn Schule muss heute mehr sein als Unterricht," bekräftigt Ulrich Zieske (53), Leiter der Christian Hülsmeyer-Schule an der Walsener Straße in Barnstorf.
Einher mit der neuen Namensgebung ging hier in den vergangenen Monaten der Wandel von der "normalen" Halbtags- zur Ganztagsschule. Worin, liegen die Unterschiede? In einer neuen Serie wollen wir Blicke hinter die Kulissen dieser Schulform werfen.
Arabisch- und Russisch-Unterricht, Angebote im musischen und naturwissenschaftlichen Bereich, Förderunterricht und Sozialtraining werden einige der Themen in der Serie "Den ganzen Tag Schule" sein.

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Schon vor der Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment = Schülerleistungen im internationalen Vergleich) haben Experten Veränderungen im deutschen Schulsystem angemahnt. Das Barnstorfer Schulzentrum hat schon von der Studie profitiert. Nachdem das Max-Planck-Institut in Berlin das Ergebnis der Untersuchungen bei 180000 Schülern in 32 Staaten (davon 5000 in Deutschland) veröffentlicht hatte, legte die Bundesregierung ein Sonderprogramm auf, mit dem auch bauliche Veränderungen und Erweiterungen in Barnstorf im Wesentlichen finanziert wurden.
"Das deutsche Schulwesen hat in den vergangenen 20 Jahren nur unzureichend auf rasante Veränderungen in Familie, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft reagiert," beleuchtet Ulrich Zieske die Hintergründe: "Entsprechend negativ fielen internationale Vergleichstests aus. Die in fast allen anderen Industriestaaten obligatorische Ganztagsschule stellt offensichtlich hinsichtlich der Lösung pädagogischer und sozialer Probleme eine erfolgreiche Organisationsform dar."
Nach umfangreichen Befragungen wurde auf Basis der Wünsche der Eltern in Barnstorf ein Konzept entwickelt, dass die Bildungs- und Entwicklungschancen der Schülerinnen und Schüler deutlich verbessern soll. Zusätzliche Förderstunden in Deutsch, Mathematik und Englisch festigen die Kernfächer.
Klassenaktionen und Sozialtraining - auch unter Einbindung von Sozialpädagogen und Erziehern - sollen die soziale Kompetenz fördern oder vorhandene Sozialisationsdefizite ausgleichen. In Arbeitsgemeinschaften werden zusätzliche Bildungs- oder Freizeitmöglichkeiten eröffnet, die das Angebotsgefälle zu städtischen Strukturen erheblich minimieren sollen, erklärt der Schulleiter. Durch Einbindung der Schülerinnen und Schüler in diverse Aufgaben oder Tätigkeitsbereiche innerhalb des Schulalltags werde deren Eigenverantwortung erheblich erhöht und gefördert.
"Auf Grund rechtzeitiger Initiative ist es in Barnstorf gelungen sowohl die räumlichen Rahmenbedingungen als auch die personellen Ressourcen zur Verfügung zu haben," freut sich Zieske. Dank eines engagierten Fördervereins seien auch Pausenverpflegung und Mittagessen vorbildlich organisiert. Ulrich Zieske: "Wir sehen uns in vielen Bereichen als Pioniere, die unter großem Einsatz für eine bessere Schule arbeiten. Mit der Kraft aller am Schulleben Beteiligten sind wir aber sicher, unserem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen."


 
 
 
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