Den ganzen Tag Schule

Diepholzer Kreiszeitung 10.03.2006
Blicke auf den Stundenplan der Christian-Hülsmeyer-Schule Barnstorf
Teil 6:

"Mann gegen Mann" ist verboten

BARNSTORF (rr)

Dennoch sind die Kids begeistert vom Kick-Boxen In der Arbeits-Gemeinschaft mit ehemaligem Bundesliga-Kämpfer.
Diese Sportart sorgt bei den Kids für den richtigen "Kick". Doch Kick-Boxen ist mehr: Gruppen-Dynamik, Gesundheits-Training und Gewalt-Abbau. Das alles wird in einem der "Zusatzangebote" der Barnstorfer Ganztagsschule vermittelt.
Übernommen hat dies mit dem türkischstämmigen Gihan Arici (39) ein überaus fachkundiger Trainer. 150Kilometer entfernt von Istanbul geboren zog er schon als Siebenjähriger mit seiner Familie nach Deutschland. In Bremen studierte er Sport und Deutsch für das Lehramt und kam als "normaler" Sportlehrer an das Barnstorfer Schulzentrum an der Walsener Straße. Dort wusste man lange Zeit nichts von seinem "etwas anderen Hobby". Denn Gihan Arici war (und ist) ein Fighter vor dem Herrn. In der Box-Bundesliga bestritt er fast 100 Kämpfe für seinen Club Sparta Flensburg im Halbwelter- und Weltergewicht.
Für ihn bietet das einmal in der Woche über zwei Schulstunden unterrichtete Kick-Boxen eine Vielzahl von gesundheitserzieherischen Ansätzen. "Ausdauer und die Stärkung aller Muskelgruppen" nennt Arici beispielhaft und verweist auf die breit gefächerten Möglichkeiten, die sich dazu in der Gruppenarbeit bieten. Gerade dort bilde das faire Mit- und Gegeneinander die Grundlage für eine positive psycho-soziale Erfahrung: "Beim Kick-Boxen wird der gegenseitige Respekt groß geschrieben."

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Ein anderer Aspekt ist für ihn genauso wichtig. Diese Sportart gebe den Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich ihren Ängsten und Hemmungen zu stellen und diese zu überwinden. So leiste Kick-Boxen "einen großen Beitrag zur Entwicklung und Erhaltung des Selbstbewusstseins und zum Erleben des Wohlbefindens durch das Training."
In Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft sei dies aber auch eine Chance für die Jugendlichen, ihre Aggressionen zu kanalisieren.
Im Gegensatz zum Thai-Boxen dürfen beim Kick-Boxen weder Knie oder Ellenbogen eingesetzt noch umklammert werden. Und Gihan Arici hat nur die reine Technik zu lehren. Den Kampf "Mann gegen Mann" (oder "Frau gegen Frau") verbietet das Schulgesetz.
Das stört seine begeistert mitgehenden Schützlinge nicht. Unter ihnen sind auffällig viele weibliche Teilnehmer. "Zufall", sagt der Sportlehrer angesichts der "Übermacht" an diesem Nachmittag, "doch gut so, denn sonst drohen die Mädchen im Unterricht manchmal unterzugehen."
Das ganze Gegenteil ist der Fall. Issa (12) "bringt das richtig Spaß", Veronika (17) will das Erlernte für ihre Selbstverteidigung nutzen und Christina (17) "einfach fit sein."
Ihrem Trainer zollen sie dickes Lob: "Der macht das super!" So mangelt es nicht an dem nötigen Respekt vor dem "Lehrkörper" - nicht nur, weil Cihan Arici in der Bundesliga geboxt hat...