Den ganzen Tag Schule

Diepholzer Kreiszeitung 04.02.2006
Blicke auf den Stundenplan der Christian-Hülsmeyer-Schule Barnstorf Teil 5:

Erfolgserlebnis durch Mitverantwortung

BARNSTORF (rr)

Pädagogisches Konzept der Christian-Hülsmeyer-Schule setzt auf starke Einbindung der Schüler bei Funktionsabläufen

Jemandem Verantwortung zu übergeben, heißt, ihn "einzubinden" in laufende (Entscheidungs-)Prozesse. Erledigt er die ihm aufgetragenen Aufgaben dann auch noch zur Zufriedenheit seiner Mitmenschen, wird er in der Regel selbst von einem Glücksgefühl überwältigt. Das nennt man Erfolgserlebnis.
Darauf basiert auch das pädagogische Konzept, das an der Christian-Hülsmeyer-Schule umgesetzt wird. Jeder Schülerjahrgang soll verantwortlich für eine bestimmte "Aufgabe" oder "Dienstleistung" sein.
Mit Einführung der Ganztags-Schule wurden die angebotenen Leistungen um Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgaben-Betreuung oder das mittägliche Essen in der Mensa erweitert. Um dies umzusetzen, ist die Schulleitung auf die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler angewiesen. Erfahrungen damit gab es schon: Im vorigen Schuljahr hatten Schüler der R 10 bereits äußerst zuverlässig die Ausgabe der Mittagessen unterstützt oder als Aufsichtshilfen fungiert.

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Das von Konrektorin Rosemarie Bauschke (53) ausgearbeitete Konzept geht deutlich darüber hinaus. "Unser Ziel ist es, möglichst viele Schülerinnen und Schüler in die Organisation und den Funktionsablauf unserer Schule einzubinden," erläutert sie. Die Schüler sollten erkennen, dass Schule und ihre Angebote nur funktionierten, wenn sich alle Beteiligten verantwortlich fühlen und zusammen arbeiteten. "Sie haben so die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten und Stärken zu entdecken und weiter zu entwickeln wie beispielsweise Organisationstalent, Zuverlässigkeit oder Teamarbeit," unterstreicht die Pädagogin. Gerade Schüler, die nicht so leistungsstark seien, könnten hier - da sind sie wieder -Erfolgserlebnisse sammeln. Die Klassenverbände steigen dazu in der Mitverantwortungs-"Hierarchie" jährlich auf.
Die fünften Klassen übernehmen Aufgaben in der Pausenhalle A, die sechsten Klassen im Pausenhof A, die siebten Klassen werden zu Schulsanitätern und Buslotsen, die achten Klassen zu Konfliktlotsen (und somit zu Paten für 5. Klassen) ausgebildet, die neunten Klassen werden zu Aufsichtshilfen im Haus A und zu Helfern beim Mittagessen und die "diensthöchsten" zehnten Klassen begleiten auch die Essensausgabe und helfen als Aufsicht im sensiblen WC-Bereich mit. Die Realschulklasse 8 h von Carola Lissek-Laker (48) hat gerade (freiwillig) ihren 40-stündigen Konfliktlotsen Kursus absolviert und hält stolz ihre Zertifikate hoch. "Es hat mich überrascht, dass die ganze Klasse teilgenommen hat - und das sehr engagiert," freut sich Rosemarie Bauschke. 15 Schüler hätten sie zudem spontan als künftige Konfliktlotsen gemeldet.
Die Kursus-Absolventen haben zudem hörbar etwas gelernt, das über den Schulalltag hinaus reicht. "Bei uns in der Straße sind viele Kinder, da kann ich mit dem Erlernten auch einmal dazwischen gehen," meint Vanessa (14). "Nun kann ich auch mal einen Streit zwischen meinen Freunden schlichten. Das erleichtert den Umgang mit anderen Leuten," fügt Linda (13) hinzu. "Das kann man später gut im Beruf anwenden und einem Streit aus dem Weg gehen," blickt Ulrike (13) voraus.
Und für Lisa (13) fühlt sich einfach nur "geehrt, wenn ich so eine Urkunde in der Hand habe..."