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Vorsicht: "Stress macht dumm"

Vorsicht: „Stress macht dumm“

Fünftklässler erhalten Tipps zur Selbstbehauptung / Spielerischer Unterricht

StressBARNSTORF In der Christian-Hülsmeyer- Schule in Barnstorf sind soziale Themen ein wichtiger Aspekt in der täglichen Arbeit mit Kindern. So steht für alle fünften Klassen zurzeit „Selbstbehauptung“ auf dem Stundenplan. In vier Schulstunden erfahren die 80 Schüler mehr über das Thema Gewalt und wie man ihr entgegentreten kann. Marina Nolte ist Diplom-Pädagogin und schon viele Jahre verantwortlich für die Schulung und Beratung bei sozialen Konflikten. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass dieser Kursus jedes Jahr angeboten wird. Unterstützung wird auch von der Volkshochschule des Landkreises Diepholz gegeben, weil sich die Bildungsstätte in Barnstorf um den Titel „Schulakademie“ verdient gemacht hat. Damaris Freischlad und Matthias Wolter sind geschulte Fachkräfte vom Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining. Sie sind an mehreren Tagen zu Gast in der Schule, um den Jungen und Mädchen aufzuzeigen, wie Gewalt entsteht, wie man Opfer und auch Täter wird – und ebenso wichtig: Wie man Strategien entwickeln kann, Gewalt und Übergriffen standzuhalten oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Als Übungsplatz erweist sich die Turnhalle. Als erprobte Mittel für erfolgreiches Lernen dient das Spiel. Übungen, bei denen alle Schüler ihren Spaß haben, wo Schnelligkeit sowie Lautstärke gefragt sind, wechseln sich ab mit Spielen, bei denen von jedem Einzelnen hohe Konzentration und Ruhe gefragt sind. Während der Spiele müssen die Jungen und Mädchen Lösungen und Verhaltensweisen für sich selbst oder für die gesamte Gruppe entwickeln. „Stress macht dumm!“, erläutert Trainerin Damaris Freischlad den jungen Kursteilnehmern. Dass diese Warnung begründet ist, erfahren die Jungen und Mädchen bei einem Bankspiel. Die Aufgabe: Eine Neuordnung aller Teilnehmer schaffen, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Geschieht dies doch, muss das Spiel komplett von vorn beginnen. Spätestens nach dem zweiten Neustart setzt der Stress ein, die Stimmung wird gereizter, die Lautstärke nimmt zu – und die Konzentration lässt nach. Welche Bedeutung diese Übung hat, wird den Teilnehmern aber erst bei der Nachbesprechung richtig bewusst. Dabei macht die Trainerin den Kindern klar, dass in Stresssituationen nur erlernte und oft angewendete Verhaltensweisen weiterhelfen. Während des Kurses versuchen die Fachkräfte auch, den Schülern deutlich zu machen, wie schnell und unabsichtlich ein Mensch in eine Opferrolle geraten kann. Geduckte Körperhaltung, die Duldung von verbalen oder körperlichen Übergriffen oder auch das Schweigen, Ertragen und Leiden seien die Instrumente, mit denen Täter Macht bekämen und behielten. Bei den Fünftklässlern kommt dieser Schultag mit viel Bewegung und neuen Erfahrungen gut an. Doch mit einer Aktion ist es nicht getan, weiß Marina Nolte: „Wenn der Kurs vorbei ist, darf man nicht glauben, dass wir auf einmal nur noch liebe Schüler haben. Die Präventionsarbeit ist ein Gebiet, das täglich gelebt werden muss und langfristig wirkt“, betont die Diplom- Pädagogin.

© 2012 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft Ausgabe 57 07.03.2012 Seite 13