Schulleiter: „Das ist die Chance für Barnstorf“

Ulrich Zieske sieht Vorteile in Oberschule / Lehrerfortbildung hilfreich für Klassenverband

BARNSTORF(sp)Die Schulstrukturreform hat an vielen Orten für eine Überraschung gesorgt. Auch Ulrich Zieske, Leiter der Christian-Hülsmeyer-Schule, hätte vor einigen Tagen nicht gedacht, dass die Einführung eines gymnasialen Zweiges plötzlich auch in Barnstorf möglich wird. Er will jetzt mit Kollegium und Elternrat das Thema diskutieren.

Der Rektor selbst steht der Einführung einer Oberschule positiv gegenüber: „Das ist die Chance für Barnstorf, eine gymnasiale Stufe zu bekommen!“ Aus Sicht der Samtgemeinde Barnstorf sei ein solches Angebot für die Weiterentwicklung der Bildungschancen sehr wichtig. Mit der Einführung eines gymnasialen Zweiges könne ein großes Klientel von guten Schülern weiter in Barnstorf unterrichtet werden.

 

Der Schulleiter sieht ohnehin Handlungsbedarf, denn aufgrund der zurückgehenden Schülerzahlen werde sich das derzeitige Schulangebot massiv verschlechtern. Da immer mehr Kinder auf das Gymnasium gingen, werde die Schülerzahl in Barnstorf weiter zurückgehen. Zurzeit besuchten 100 bis 110 Schüler pro Jahrgang die Haupt- und Realschule. Ohne gymnasialen Zweig würde die Zahl wahrscheinlich auf 80 Schüler herunter gehen, schätzt Zieske. Er sieht in der Einführung einer Oberschule gleich mehrere Vorteile für Barnstorf. Zuletzt habe es jedes Jahr sieben bis acht Schüler gegeben, die zwar eine Gymnasialempfehlung hatten, aber an der Realschule geblieben seien. Diese Kinder könnten durch die neue Schulform noch intensiver gefördert werden. Mit einem gymnasialen Angebot könnten zudem die Schülerzahlen gesichert und damit auch die frisch sanierten Klassenräume gefüllt werden, die ohne Reform langfristig leer stehen würden.

Auch in pädagogischer Hinsicht sieht Zieske die Schule gut aufgestellt. Etwa 60 Prozent des Kollegiums würden zurzeit an einer zweijährigen Fortbildung teilnehmen, in der es um die individuelle Förderung von Schülern gehe. Genau diese Problematik bringe die Oberschule mit sich, denn dort würden Kinder mit unterschiedlichen Begabungen gemeinsam unterrichtet. Die Oberschule habe Charakterzüge einer Kooperativen Gesamtschule, erläutert der Rektor. Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten bildeten einen Klassenverband, würden in Hauptfächern wie Deutsch, Englisch und Mathe getrennt unterrichtet. „Es ist die hohe Kunst, allen Begabungen gerecht zu werden. Dafür werden die Kollegen jetzt fit gemacht“, so Zieske.

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Schulleiter Ulrich Zieske begrüßt die Fünftklässlern bei ihrer Einschulung gerne mit Denksportaufgaben. Wenn die Rechnung aufgeht, könnten neben Haupt- und Realschülern bald auch Gymnasiasten unterrichtet werden. Foto: Speckmann

Ein weiteres Ziel der Oberschule sei die teilweise gebundene Ganztagsschule. Ein Modell, das die Christian-Hülsmeyer-Schule bereits jetzt als einzige Schule im Landkreis Diepholz umsetzt. „75 Prozent der Schüler haben Woche für Woche vier Stunden mehr Unterricht als andere Schüler in Niedersachsen“, berichtet der Rektor. Die Qualität der Schule sei durch Auszeichnungen und Wettbewerbe mehrfach bestätigt worden. Bei der diesjährigen Schulinspektion habe sie hervorragend abgeschnitten. „Wir haben viele Punkte, die den Standort interessant machen“, betont der Schulleiter. Zurzeit würden 35 bis 40 Schüler aus der Samtgemeinde Barnstorf ein Gymnasium besuchen. Entscheidend seien jedoch, wo die Eltern ihre Kinder anmeldeten. Schließlich wäre nach der zehnten Klasse der Wechsel an ein Gymnasium nötig. Zudem könnte ein Fach wie Latein wahrscheinlich nicht angeboten werden. Zieske sieht dem Wettbewerb jedoch gelassen entgegen.

© 2010 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft
Diepholz, Ausgabe 253, 29.10.2010, Seite 24

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