Sicherheitsgurt ist Lebensretter Nr.1

Praxisnahe Verkehrserziehung für Zehntklässler in Barnstorf

sicherheitstraining_1BARNSTORF(sp)„Ich möchte nicht auf einen Unfall zukommen, wo Ihr auf der Straße liegt“, wandte sich Verkehrssicherheitsberater Thomas Gissing mit eindringlichen Worten an die Zehntklässler der Christian- Hülsmeyer-Schule in Barnstorf. Der Beamte der Polizeiinspektion Diepholz und seine Kollegin Heike El-Bira waren für zwei Vormittage mit einem Überschlags- und Rettungssimulator in die Schule gekommen, um den Abschlussjahrgang auf die Gefahren im Straßenverkehr hinzuweisen.

Im theoretischen Teil des zweistündiges Seminars machten die Ordnungshüter zunächst auf mögliche Unfallursachen aufmerksam. Dazu gehörten sehr oft unangepasste Geschwindigkeit, aber auch Alkohol und Drogen. „Alle Ursachen sind auf den Menschen zurückzuführen“, betonte Gissing. Nasse oder eisglatte Straßen ließ er nicht als Ausrede gelten, denn auch hier müssten Autofahrer ihre Geschwindigkeit anpassen.

Was passieren kann, wenn Raserei mit Alkohol und Selbstüberschätzung einher geht, machte der Polizeioberkommissar anhand eines schockierenden Beispiels deutlich. Bilder von einem schweren Verkehrsunfall in Kirchweyhe machten die Runde. Dort war vor wenigen Wochen ein Auto mit mehr als 100 Stundenkilometern durch eine Tempo-30-Zone gerast, von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Vier von sechs Insassen, alles junge Leute, bezahlten diese Fahrt mit dem Tod. Beim Blick auf das abgebildete Wrack verschlug es so manchem Schüler die Sprache.

sicherheitstraining_2Wie wichtig es ist, sich im Auto anzuschnallen, verdeutlichen die Polizeibeamten im praktischen Teil der Verkehrserziehung. Hier standen die Schüler Kopf, denn mit „Chrissy II“, dem Überschlags- und Rettungssimulator der Verkehrswacht Grafschaft Diepholz, wurde ein Unfall nachgestellt. Die Insassen machten eineinhalb Umdrehungen in dem knallgelben Fahrzeug, aus dem sie sich anschließend durch Lösen des Gurtes selbstständig befreien mussten.

„Das ist richtig geil. Aber wenn es echt wäre, wäre es nicht lustig“, berichtete Jacqueline Gehrke nach dem Überschlag. Die 17-jährige Hauptschülerin hatte sich, kopfüber im Auto hängend, mit Händen und Füßen an Decke oder Armaturenbrett abgestützt, dadurch zurück in den Fahrersitz gepresst und damit den Druck vom Gurt genommen, der sich nun leicht lösen ließ. Wie Jacqueline trauten sich die meisten Mitschüler zu dieser realitätsnahen Übung. Vermittelte Botschaft: Anschnallen ist lebenswichtig!

„Wir möchten die Schüler für das Thema sensibilisieren und hoffen, dass etwas haften bleibt“, erklärte Polizeikommissarin El-Bira. Wohlwissend, dass mit den eindringlichen Hinweisen nicht alle Verkehrsteilnehmer erreicht werden. Die Beamtin macht im Streifendienst immer wieder die Erfahrung, dass Autofahrer nicht angeschnallt sind. Die Strafe folgt dann auf dem Fuß: ein Verwarngeld von 30 Euro. Da lohnt sich schon der Griff zum Gurt, einmal abgesehen vom Sicherheitsaspekt des „Lebensretters Nr. 1“.

Wie wichtig anschnallen ist, hat auch Marina Nolte schon im realen Straßenverkehr erfahren. Sie ist als Sozialpädagogin an der Christian- Hülsmeyer-Schule tätig und hat das Seminar für die Zehntklässler initiiert. „Wir wollen das zu einer festen Einrichtung für die Schüler werden lassen, die bald ihren Führerschein machen“, kündigte Nolte an. Für die fünften und sechsten Klassen gebe es bereits seit zwei Jahren in Zusammenarbeit mit dem ADAC die Aktion „Achtung Auto“.

© 2010 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft
Diepholz Ausgabe 124 01.06.2010 Seite 20
Fotos (2). Speckmann