„Ich bin sehr glücklich, hier zu sein“

Austauschschüler aus Frankreich gestern im Rathaus empfangen / Tagesfahrt nach Berlin ein echtes Highlight

BARNSTORF(sp)Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers wechselte gestern Mittag vorübergehend die Amtssprache. Mit einem freundlichen „Bon jour“ begrüßte er die französischen Austauschschüler, die sich auf Einladung der Christian-Hülsmeyer- Schule für eine gute Woche im Raum Barnstorf aufhalten.

Die 19 Freunde aus dem Nachbarland waren in Begleitung ihrer jungen Gastgeber zu einem Empfang ins Rathaus gekommen und wurden vom Verwaltungschef herzlich empfangen. In diesem Moment bedauerte Jürgen Lübbers, dass er damals nur eineinhalb Jahre französisch gelernt hatte. Doch dank Lehrerin Gesine Hiller und ihrer französischen Kollegin Marie-Françoise Ernoult sowie Begleiter Olivier Rondot waren die Sprachbarrieren schnell überwunden.

Mit Hilfe eines Films erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Samtgemeinde Barnstorf. Den kurzen Beitrag auf der Leinwand verfolgte auch Wendy Morancé ganz gespannt, die zum ersten Mal in Barnstorf weilt und sich pudelwohl fühlt. „Ich bin sehr glücklich, hier zu sein“, sagte das 15-jährige Mädchen und zwinkerte ihrer Austauschschülerin Chantal Heidenreich zu. Die jungen Damen hatten sich bereits im vergangenen Jahr kennen gelernt, als die gleichaltrige Barnstorferin im französischen Pontvallain weilte.

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Nun gab es den ersehnten Gegenbesuch auf deutschem Boden und vor allem neue Erfahrungen für Wendy. Seit der Ankunft am Montagmittag hatte das Mädchen schon Gelegenheit, ihre Gastgeberin in die Realschule zu begleiten und stellte dabei erste Unterschiede zum heimischen Schulwesen fest. „Bei uns gibt es sehr viele Regeln. Hier sind die Schüler freier und haben viele Pausen. Und die Schule ist viel größer als unsere“, berichtete die junge Französin.

france2Bei ihrer Gastfamilie in Barnstorf fühlt sich Wendy sehr gut aufgehoben. Vielleicht liegt es auch daran, dass Chantals Mutter damals selbst am Austausch teilgenommen hatte. Ruth Heidenreich gehörte zu den ersten Schülern, die sich an dem Programm der Realschule beteiligt haben und auch heute noch den Kontakt zu ihrer damaligen Austauschschülerin pflegt.

Es war die kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Lehrerin Ulrike Scharfe, die den Austausch mit dem Collège Jacques Prévert in Pontvallain im Jahr 1980 initiiert und gefördert hatte. Nach fünfjähriger Funkstille wurden die Beziehungen im vergangenen Jahr wieder aufgefrischt. Maßgeblich beteiligt Gesine Hiller, die sich mit Marie-Françoise Ernoult in Verbindung setzte und die Schüler der siebten bis neunten Klassen begeisterte. Die Kolleginnen Kirsten Henseleit, Claudia Beske und Christina Drews warben im Französisch-Unterricht ebenfalls für den Austausch und bereiteten die Kinder auf die Begegnungen vor.

„Ich danke den Familien, die sich daran beteiligen und damit den Austausch wieder aufleben lassen“, betonte Gesine Hiller. Ihr Pendant Marie-Françoise Ernoult konnte sich den Worten nur anschließen und lobte das Engagement der Organisatoren. Sie wünschte sich, dass der Austausch zwischen den Nationen noch viel intensiver betrieben wird. „Es wäre schön, wenn aus dem Austausch auch private Freundschaften und gegenseitige Besuche entstehen“, fügte Jürgen Lübbers hinzu.

Bei Chantal und Wendy dürfte der Grundstein für eine Freundschaft bereits gelegt sein. Bis zur Abreise am kommenden Dienstag haben die beiden Mädchen noch Zeit, gemeinsam den Unterricht zu besuchen oder Unternehmungen zu starten. Nach dem Ausflug ins Museumsdorf Cloppenburg am Dienstag steht am heutigen Donnerstag eine Fahrt nach Berlin auf dem Programm. Sicherlich ein echtes Highlight für die Gäste aus Frankreich – und für Wendy eine gute Gelegenheit, eine Eisdiele aufzusuchen, denn dieses Vergnügen ist dem 15-jährigen Mädchen in der Heimat fremd: „Eiscafés gibt es bei uns leider nicht!“

© 2010 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft
Diepholz Ausgabe 104 06.05.2010 Seite 25
Fotos (2): Speckmann


 
 
 

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