Dorit Schierholz ausgezeichnet

Burgdorff Stiftung würdigt Geschichtsprojekt

DSH_EhrungDie Burgdorff Stiftung würdigt Lehrerinnen und Lehrer, die besonders gelungenen Geschichtsunterricht realisiert haben. In diesem Jahr erhielt die Ralschullehrerin Dorit Schierholz der CHS Barnstorf den 2. Preis der Stiftung für das fächerübergreifende Gesamtprojekt "Geschichte des Bahnhofviertels und das Schicksal der Barnstorfer jüdischen Familien". Im Rahmen des Unterrichts entstanden in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Barnstorf zwei Bücher und eine Lyric-CD.  Mit Petitionen, Ausstellungen und öffentlichen Auftritten erlangten die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrerin weit über Barnstorf hinaus Anerkennung und Respekt .


> Auszug aus (c) http://www.vgd-nds.de/index.php?pid=6&id=1471 :

Preisverleihung 2011, 3. Nov. 2011, Hannover

Rede des Vorsitzenden der Henning von Burgsdorff Stiftung

anlässlich der Preisverleihung 2011

am Tag des Geschichtslehrers am 3. November 2011, Hannover

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit einem Jahr bin ich Vorsitzender der Burgsdorff Stiftung in der Nachfolge der Gründerin, Frau Brigitte Netzel, die heute auch unter uns ist und erstmals die Preisverleihung nicht selbst vornimmt.

Für diejenigen, die heute neu unter uns sind: Die Henning von Burgsdorff Stiftung ist eine Stiftung zur Förderung des Geschichtsunterrichts. Die Besonderheit dabei ist, dass nicht die Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet werden. Initiativen dieser Art gibt es genug. Die Burgsdorff Stiftung zeichnet Lehrer aus. Dies geschieht aus der Erkenntnis heraus, dass es für Lehrerinnen und Lehrer wenig Anerkennung bei ständig steigenden Anforderungen gibt. Wenn eine Kollegin oder ein Kollegen dann einmal eine umfassende Zusatzleistung erbringt oder eine besondere Idee in die Tat umsetzt, die am Ende auch die ganze Schule weiterbringt, dann wird es oft allenfalls mit einem warmen Händedruck quittiert, geschweige denn, dass Eltern oder Kollegen sich dazu äußern. Letztere, das zeigt die Erfahrung, schweigen auch deshalb, weil sie den verdienten Kollegen im Stillen neidvoll bewundern.

Angesichts der vielfachen Herabsetzung der Lehrerleistung in der Öffentlichkeit hat sich die Stiftung vorgenommen, besondere Leistungen von Lehrerinnen und Lehrern mit einem Preis zu bedenken. Dies geschieht nun schon seit über zehn Jahren im Rahmen des Tages des Geschichtslehrers in Hannover. Heute sollen nun die Preise der Henning von Burgsdorff Stiftung 2011 überreicht werden.

Welche Kriterien haben die aus dem Vorstand der Stiftung gebildete Jury bewogen, ganz bestimmte Einsendungen mit Preisen zu bedenken? Es sind dies

  1. Qualität des eingereichten Projekts oder Unterrichtsvorhabens verbunden mit didktisch-methodischer Reflexion

  2. Arbeitseinsatz des Lehrers über das zu erwartende Maß hinaus

  3. Erkennbare Förderung des Geschichtsbewusstseins

  4. ein innovativer Ansatz des eingereichten Projekts oder Unterrichtsvorhabens

  5. Schülermotivation und –identifikation mit dem jeweiligen Vorhaben

  6. Reflexion der eigenen Leistung

Die Entscheidung fiel vor einer Woche. Es waren insgesamt elf Bewerbungen von Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Schulformen eingegangen.

Die Jury besteht aus einem ehemaligen Schulleiter in Gestalt meiner Person, zwei Seminarfachleitern, Herrn Dr. Heinßen und Herrn Dr. Eckhardt, und einem Hochschuldidaktiker in Gestalt von Prof. Dr. Michael Sauer, Göttingen.

Liebe Frau Schierholz,

Sie legen mit Ihrem Projekt eine umfangreiche Leistung ihrer Klasse 10 der Christian-Hülsmeyer-Realschule in Barnstorf in der Nähe von Diepholz vor. Es handelt sich um ein fächerübergreifendes Projekt mit starkem historischem Anteil.

Sie haben mit der Klasse eine Geschichtswerkstatt betrieben, die sich mit der Geschichte des Bahnhofsviertels in Barnstorf beschäftigt und sich konkret mit Wirtschaftsgeschichte, Krieg, Flüchtlingswesen und Firmengeschichte der Nachkriegszeit befasst hat. Daraus ist das zweite Projekt unmittelbar erwachsen: Die Erforschung der Ausgrenzung, Vertreibung und Zerstörung des jüdischen Lebens in Barnstorf. Das Ergebnis der Arbeit Ihrer Schüler ist eine Geschichte jüdischer Familien in Barnstorf und des Schicksals dieser Familien, die immer wieder die Einwirkung der Ereignisse der allgemeinen und überlokalen Geschichte zutage treten lässt. Beide Projekte veröffentlichten Sie in Gestalt umfangreicher Broschüren, die allgemein zugänglich sind und als Druckerzeugnisse erworben werden können.

Mit dem zweiten Projekt war eine Stolpersteinaktion in Barnstorf verbunden, die große Aufmerksamkeit erregte. Die Tatsache, dass ein Stolperstein mutwillig zerstört wurde, führte zu zusätzlicher Aufmerksamkeit und war vermutlich dazu angetan, die Entwicklung von Geschichtsbewusstsein auf Schülerseite zu steigern.

Umfangreiche Zeitzeugenbefragungen, Zeitungsrecherchen und Archivarbeiten durch die Schüler waren mit diesem Projekt verbunden. Zusätzlich kooperierten Sie mit anderen Fächern wie Deutsch und Musik, die sich an diesem Projekt durch lyrische Versuche und musikalische Darbietungen beteiligten, die öffentlich in besonderen Veranstaltungen dargeboten wurden und viel Beachtung im Ort und in den Medien fanden. Auch sonst profitierte der Ort Barnstorf von Ihrer Arbeit, denn die Ergebnisse der Nachforschungen wurden auf eigens am Bahnhof angebrachten Tafeln präsentiert. Eine Sporthalle erhielt den Namen eines ehemaligen jüdischen Mitbürgers, der sich für den Sport in Barnstorf engagiert hatte. Schließlich ergab sich eine Kooperation mit dem Jüdischen Museum in Berlin. Alles wurde ausführlich im Bild dokumentiert und der Einsendung beigelegt.

Die Jury kam zu dem Ergebnis, dass Sie mit Ihren Schülern eine besondere und hoch preiswürdige Leistung erbracht haben und erkennt Ihnen den Zweiten Preis zu.

(Nähere Informationen finden Sie unter:
http://schulemachtzukunft2011-083.jimdo.com/
oder:
http://www.40277.nibis.de/index.php?searchword=Zivilcourage&ordering=&searchphrase=all&Itemid=9&option=com_search
oder:
http://www.vnb.de/media/dd8ea8d9fbc7aa3c5adc883b891ebaf8.pdf