Ulrich Zieske hinterlässt ein „wertvolles Liebhaberstück"

26 Jahre gestaltete der Schulleiter die Entwicklung des Barnstorfer Schulzentrums

Lobende Worte und viel Musik prägten den "Feierabend" des letzten Arbeitstages des Oberschuldirektors Ulrich Zieske. Bei bestem Wetter erlebten die 100 Gäste in Saal und Park von Tiemanns Hotel in Stemshorn eine unterhalsame, kurzweilige, kommunikative und fröhliche Veranstaltung bis spät in die Nacht.

Musik, Musik, Musik: Die Abschiedsfeier von Ulrich Zieske hatte Konzertcharakter. Immer wieder trat die Lehrerband auf, um die rund 100 Gäste mit ausgewählten Stücken zu unterhalten. Dabei saß der scheidende Leiter der Christian-Hülsmeyer-Schule am Montagabend nicht etwa als Zuhörer im Publikum, sondern wirkte selbst aktiv mit. Zurückhaltend, aber betont, zupfte er an seinem Bass, so wie er es ganz oft bei feierlichen Veranstaltungen während seiner 26 Dienstjahre in Barnstorf getan hatte.

 

Den flexiblen Umgang mit diversen Instrumenten und die Erforschung neuer Arrangements wusste die Band stets zu schätzen. Sie verlieh ihrem vielseitigen Mitstreiter die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit. Wohl in der Hoffnung, dass es bei künftigen Wiedersehensfeiern ein Comeback gibt. Denn so viel steht fest: Musik ist die große Leidenschaft des 63-jährigen Lemförders. Entsprechend groß war die Freude als zum Ende seiner Laufbahn nun vier seiner ehemaligen Schüler des Abschlussjahrgangs 1999 erschienen und sich noch einmal zum Gesangsquartett „Trio und een“ formierten.

„Willkommen im Ruhestand“, riefen ihm mehrere Senioren zu, die sich bereits vor Jahren aus dem Schuldienst verabschiedet hatten und nun bei der Feier in Tiemanns Hotel in Stemshorn ein Stelldichein gaben. Der komplette Personalbestand der Oberschule wechselte in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Nun ging der letzte Mann der alten Garde von Bord. „Der Kapitän verlässt das Schiff“, stellten Konrektor Andreas Beine und Stellvertreterin Ina Gärtner in ihrer Laudatio fest. 
Als Zieske im Sommer 1991 nach Barnstorf gekommen sei, habe er die Schule als „schrottreifen Oldtimer“ vorgefunden. Heute sei das Haus ein „wertvolles Liebhaberstück", das von anderen Schulstandorten beneidet werde. Aber es gehe nicht nur um das Gebäude, sondern vor allem darum, was die Schule inhaltlich ausmache. stellten die Konrektoren fest. Sie lobten Zieske für sein verantwortungsvolles Engagement bei der Entwicklung und Leitung der Schule und kamen zu dem Schluss: „ln Barnstorf wird man Sie nicht so schnell vergessen!“
Der Oberschuldirektor könne stolz darauf sein, was er beruflich erreicht habe, erklärte Sandra Schenck, Dezernentin der Landesschulbehörde, in ihrem Grußwort. Sie skizzierte den Werdegang des gebürtigen Rheinländers, der im August 1977 in den niedersächsischen Schuldienst eintrat und schnell bereit war, Verantwortung zu übernehmen: Fachkonferenzleiter, Personalratsvorsitz, Fachseminarleiter Chemie in Syke und sieben Jahre Orientierungsstufenleiter an der HRS Lemförde. Im Jahre 1991 ernannte ihn die Bezirksregierung zum Schulleiter in Barnstorf.
Sandra Schenck erinnerte an die Worte bei seiner Amtseinführung. Schon damals seien ihm guter Unterricht und das Vorwärtskommen der Schüler wichtig gewesen. Innovation und Engagement in der schulischen Qualitätsentwicklung würden an den zahlreichen Auszeichnungen deutlich, die die Schule erhalten habe. Zuletzt hatte die Oberschule mit gymnasialem Zweig den zweiten Platz im landesweiten Wettbewerb „Starke Schule“ belegt.
Das war auch dem Schulträger nicht entgangen.  „Die Schule in Barnstorf hat jetzt einen außergewöhnlich guten Ruf. Dazu hast du beigetragen, das ist dein Werk“, lobte stellvertretender Landrat Heiner Richmann das Schaffen des scheidenden Leiters. Er sei ein Glücksfall für Barnstorf gewesen, habe jede Veränderung in der Schullandschaft als Herausforderung und Ansporn gesehen, sei es bei der Einführung der Ganztagsschule, der Oberschule oder des gymnasialen Zweiges. Neben den schulischen Leistungen sprach Richmann das kommunalpolitische Engagement des Sozialdemokraten an, der während seiner 25-jährigen Ratstätigkeit fünf Jahre als Bürgermeister des Fleckens Lemförde wirkte.
Dass gerade in den Anfangsjahren, als es um die Sanierung des Gebäudes und die Übertragung der Trägerschaft von der Samtgemeinde Barnstorf auf den Landkreis Diepholz ging, einige Steine aus dem Weg geräumt werden mussten, wurde im Gespräch mit Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers deutlich. Er lobte Zieske für dessen Weitsicht, Entschlusskraft, Ruhe und Leidenschaft.
Zieske selbst gab sich bescheiden: „Dass die Schule so geworden ist, das liegt vor allem an dem engagierten und hoch qualifizierten Personal und einigen Glücksfällen in den Personalien der Landesschulbehörde und des Landkreises, die konstruktiv den Barnstorfer Weg unterstützt haben." Als er damals die Leitung übernahm, habe er zwar schnell den maroden Zustand der Gebäude wahrgenommen, aber eine Fülle pädagogischer Highlights vorgefunden. In diesem Zusammenhang lenkte er den Blick auf die Partnerschaften mit Schulen in Frankreich, England, Sachsen und den Niederlanden, die zum Teil heute noch Bestand haben.
Aufbau eines naturwissenschaftlich-/technischen Schwerpunktes -einschließliche Namensgebung der Schule-, Umwelterziehung, Berufsorientierung und Förderung sozialer Kompetenzen wurden zu zentralen Schwerpunkten der letzten zweieinhalb Jahrzehnte. Die Schulfahrt nach Rom im März 2015 sei ebenfalls einer der pädagogischen Höhepunkte, die er nicht vergessen werde.
Wohin die Reise im Ruhestand geht, ließ das umgedichtete Lied „Westerland“ von den Ärzten erahnen. Es gebe noch viel Dinge, die er gerne machen wolle, ließ Zieske am Rande der unterhaltsamen und kurzweiligen Feier durchblicken. Mehr Zeit mit seiner Frau Hannelore sowie den Kindern und Enkelkindern verbringen und vielleicht noch einmal ein Studium aufnehmen. Stichwort: Künstliche Intelligenz.

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Abschied von den Schülern